Wasserwissen
Kann man destilliertes Wasser trinken?
Destilliertes Wasser trinken – ist das gefährlich oder bloss unnötig? Kaum eine Frage rund ums Wasser ist von so vielen Halbwahrheiten begleitet. Die kurze Antwort vorweg: Kleine Mengen sind für gesunde Erwachsene unbedenklich, und das oft zitierte «Zellplatzen» ist ein Mythos. Als Dauergetränk taugt destilliertes Wasser trotzdem nicht, denn ihm fehlen sämtliche Mineralstoffe und damit auch der Geschmack.
Aktualisiert im August 2026 · 6 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Kleine Mengen sind für gesunde Erwachsene unbedenklich; das oft zitierte «Zellplatzen» ist ein Mythos.
- Als Dauergetränk ungeeignet: Es fehlen sämtliche Mineralstoffe und damit auch der Geschmack.
- Ware aus Baumarkt oder Drogerie ist ein technisches Produkt, nicht als Lebensmittel hergestellt.
Was ist destilliertes Wasser überhaupt?
Destilliertes Wasser entsteht, indem Wasser verdampft und der Dampf anschliessend wieder kondensiert wird. Mineralstoffe und Salze bleiben dabei ebenso zurück wie die meisten Begleitstoffe; übrig bleibt nahezu reines H2O. Erkennbar ist das schon an der elektrischen Leitfähigkeit, die bei destilliertem Wasser nahe null liegt, weil kaum noch gelöste Ionen enthalten sind. Auch Regenwasser ist von Natur aus sehr mineralstoffarm. Die Destillation treibt dieses Prinzip technisch auf die Spitze. Verwandt damit sind demineralisiertes oder deionisiertes Wasser, die über Ionenaustauscher oder Umkehrosmose entsalzt werden: Das Verfahren ist ein anderes, das Ergebnis ähnlich. Im Handel wird destilliertes Wasser üblicherweise als technisches Wasser für Haushaltsgeräte angeboten. Schon das deutet an, dass es nie als Getränk gedacht war.
Destilliertes Wasser trinken: Ist das gefährlich?
Nein, jedenfalls nicht in den Mengen, um die es im Alltag geht. Wer ein Glas destilliertes Wasser trinkt, muss keine Folgen befürchten: Schon im Mund vermischt es sich mit Speichel, im Magen mit Nahrung und Verdauungssekreten. Konzentrationsunterschiede gleicht der Körper laufend aus. Auch der versehentliche Schluck beim Befüllen eines Geräts ist kein Grund zur Sorge. Kritisch würde es erst bei sehr grossen Mengen in kurzer Zeit, weil dann der Salzhaushalt aus dem Gleichgewicht geraten kann. Das gilt allerdings für jedes Wasser, wie der Beitrag zu viel Wasser trinken zeigt. Beunruhigung ist also unnötig; ein Grund, destilliertes Wasser gezielt als Getränk zu wählen, folgt daraus aber ebenso wenig.
Dieser Beitrag informiert allgemein. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Unsicherheiten (etwa bei Nierenerkrankungen oder deutlich verändertem Durstempfinden) wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Was steckt hinter dem Mythos vom «Zellplatzen»?
Der Mythos hat einen wahren Kern, allerdings stammt er aus dem Labor. Osmose bezeichnet den Effekt, dass Wasser durch eine halbdurchlässige Membran dorthin wandert, wo mehr Stoffe gelöst sind. Gibt man rote Blutkörperchen direkt in reines Wasser, strömt deshalb Wasser in die Zellen: Sie quellen auf und können tatsächlich platzen; Fachleute sprechen von Hämolyse.
Beim Trinken kommt diese Situation jedoch nie zustande. Destilliertes Wasser erreicht die Körperzellen nicht in reiner Form: Es wird innert Sekunden mit Speichel und Mageninhalt vermischt und nimmt dabei gelöste Stoffe auf. Was der Darm ins Blut aufnimmt, ist längst kein reines Wasser mehr. Nieren und Hormone regulieren den Wasser- und Salzhaushalt ohnehin fortlaufend. Die Laborbeobachtung ist also korrekt, ihre Übertragung auf das Glas Wasser ist es nicht.
Warum ist destilliertes Wasser als Dauergetränk ungeeignet?
Dass destilliertes Wasser nicht giftig ist, macht es noch nicht zu einem guten Getränk. Gegen den täglichen Konsum spricht mehreres:
- Keine Mineralstoffe: Destilliertem Wasser fehlen Calcium, Magnesium und Hydrogencarbonat vollständig. Es trägt nichts zur täglichen Mineralstoffversorgung bei.
- Flacher Geschmack: Der Charakter eines Wassers stammt massgeblich von seinen gelösten Mineralstoffen. Ohne sie schmeckt Wasser leer; viele empfinden destilliertes Wasser als fad.
- Kein Lebensmittel: Destilliertes Wasser aus dem Handel ist in der Regel ein technisches Produkt. Es wird nicht nach den Vorgaben hergestellt und kontrolliert, die für Trinkwasser und natürliches Mineralwasser gelten.
Wer dauerhaft nur demineralisiertes Wasser trinken will, verzichtet damit ohne Not auf einen Beitrag zur Mineralstoffversorgung. Akut gefährlich ist das nicht; es bringt dem Körper schlicht nichts mit. Wer Wert auf Mineralstoffe legt, wählt sein Wasser darum besser nach dem, was drin ist.
Wofür ist destilliertes Wasser eigentlich gedacht?
Dass destilliertes Wasser trotzdem in jedem Baumarkt steht, hat gute Gründe; sie liegen nur nicht in der Küche. Seine Stärken spielt es dort aus, wo gelöste Stoffe stören würden:
- Haushalt: Bügeleisen, Dampfstationen und Luftbefeuchter verkalken nicht, wenn sie mit destilliertem Wasser betrieben werden, anders als mit kalkhaltigem Wasser aus der Leitung.
- Technik: In Autobatterien, Kühlsystemen und Laboren ist Wasser mit definierter Reinheit gefragt, das keine Rückstände oder Ablagerungen hinterlässt.
- Aquaristik: Aquarianerinnen und Aquarianer mischen demineralisiertes Wasser mit Leitungswasser, um Wasserhärte und Leitwert gezielt einzustellen.
Kurz: Destilliertes Wasser ist ein Werkzeug für Geräte und Prozesse.
Was bringt Mineralwasser mit, was destilliertem Wasser fehlt?
Natürliches Mineralwasser ist gewissermassen das Gegenmodell zu destilliertem Wasser: Auf seinem langen Weg durch Gesteinsschichten nimmt es Mineralstoffe auf, die sein Profil und seinen Geschmack prägen. Jede Quelle tut das anders, wie der Vergleich von Quellwasser und Mineralwasser zeigt. Calcium und Magnesium aus Mineralwasser können zur täglichen Versorgung beitragen: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt für Erwachsene Referenzwerte von rund 950 bis 1'000 mg Calcium und 300 bis 350 mg Magnesium pro Tag. Ein mineralstoffhaltiges Wasser deckt davon ganz nebenbei einen Teil.
Wie stark Gestein ein Wasser prägen kann, zeigt die Castelsquelle in Mels: Rund 12 Jahre lang wird ihr Wasser durch Gesteins- und Felsschichten gefiltert, nachdem es auf über 2'000 m ü. M. in den Sardona-Alpen beim UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona versickert ist. So entsteht Piz Sardona, ein natürlich basisches Mineralwasser mit pH 8,0, das 87 mg Calcium und 35 mg Magnesium pro Liter enthält – bei einer ausgewogenen Gesamtmineralisierung von 540 mg pro Liter. Den Unterschied zu destilliertem Wasser können Sie messen und schmecken.
Häufige Fragen
Ist abgekochtes Wasser dasselbe wie destilliertes Wasser?
Nein. Beim Abkochen werden Keime abgetötet, die gelösten Mineralstoffe und Salze bleiben aber vollständig im Wasser. Destilliertes Wasser entsteht dagegen durch Verdampfen und erneutes Kondensieren; dabei bleiben nahezu alle gelösten Stoffe zurück. Abgekochtes Leitungswasser ist also weiterhin ganz normales Wasser, nur keimarm; destilliertes Wasser ist dagegen fast reines H2O ohne Mineralstoffe.
Kann man destilliertes Wasser aus dem Baumarkt trinken?
Davon ist abzuraten. Destilliertes Wasser aus Baumarkt oder Drogerie ist ein technisches Produkt: Es wird nicht als Lebensmittel hergestellt, abgefüllt und kontrolliert, und die Gebinde sind nicht für Lebensmittel vorgesehen. Wer Wasser trinken möchte, greift besser zu Trinkwasser oder natürlichem Mineralwasser; beide unterliegen strengen lebensmittelrechtlichen Vorgaben.
Kann man mit destilliertem Wasser kochen?
Grundsätzlich ja: Bei gelegentlicher Verwendung spricht nichts dagegen, zumal Lebensmittel selbst Mineralstoffe liefern. Ein Vorteil ergibt sich daraus aber kaum. Suppen, Tee oder Kaffee leben geschmacklich auch vom Charakter des verwendeten Wassers, und dieser stammt von den gelösten Mineralstoffen. Mit destilliertem Wasser Zubereitetes wirkt deshalb oft auffallend flach.
Was ist der Unterschied zwischen destilliertem Wasser und Osmosewasser?
Beide sind weitgehend entmineralisiert, das Verfahren unterscheidet sich: Destilliertes Wasser wird verdampft und wieder kondensiert, Osmosewasser wird unter Druck durch eine feinporige Membran gepresst, die gelöste Stoffe zurückhält. Osmosewasser enthält meist noch minimale Restmengen an Mineralstoffen. Für das Trinken gilt dieselbe Einschätzung: Kleine Mengen sind unbedenklich, als Dauergetränk ist beides ungeeignet.
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