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Wasserwissen

Bio-Mineralwasser: gibt es das — und was heisst «bio» bei Wasser?

Ist Mineralwasser bio? Die kurze Antwort: Ein staatliches Bio-Siegel für Wasser gibt es weder in der Schweiz noch in der EU. Die längere Antwort beginnt dort, wo trotzdem Flaschen mit der Aufschrift «Bio-Mineralwasser» im Regal stehen. Dieser Beitrag erklärt, woher die Bezeichnung stammt, was sie verspricht und was sie über ein Wasser aussagt und was nicht.

Aktualisiert im Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein staatliches Bio-Siegel für Mineralwasser gibt es nicht: Die Bio-Verordnungen der Schweiz und der EU gelten nur für Erzeugnisse aus der Landwirtschaft.
  • «Bio-Mineralwasser» ist eine Bezeichnung privater deutscher Siegel, gestützt auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 2012. Österreich lässt sie für Mineralwasser nicht zu.
  • Viele der besten Mineralwasser tragen kein Bio-Siegel. Was ein Wasser auszeichnet, zeigen Herkunft, Analyse und Laborbefund.

Was «bio» bei Lebensmitteln bedeutet

Bei Lebensmitteln ist «bio» ein geschützter Begriff. In der Schweiz regelt ihn die Bio-Verordnung des Bundes, in der EU die EU-Öko-Verordnung. Beide legen fest, wie biologische Landwirtschaft arbeiten muss: keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, keine chemisch-synthetischen Dünger, artgerechte Tierhaltung und regelmässige Kontrollen vom Feld bis zum verarbeiteten Produkt. Die Knospe von Bio Suisse geht in vielen Punkten noch weiter als die Verordnung.

All diese Regeln setzen bei der Landwirtschaft an. Mineralwasser aber wächst nicht auf einem Feld. Es entsteht, wenn Niederschlag im Gebirge versickert, über Jahre, manchmal Jahrzehnte durch Gesteinsschichten wandert und dabei Mineralstoffe aufnimmt, bis es an einer Quelle wieder zutage tritt. Da gibt es nichts anzubauen, zu düngen oder zu ernten. Wasser gilt deshalb nicht als landwirtschaftliches Erzeugnis, und die Bio-Verordnungen greifen nicht. Ein staatliches Bio-Siegel für Mineralwasser gibt es darum weder in der Schweiz noch in der EU.

Nahaufnahme eines Blatts voller Tautropfen vor unscharfem grünem Hintergrund
Bild: Freepik

Woher die Bezeichnung «Bio-Mineralwasser» kommt

Dass es trotzdem «Bio-Mineralwasser» gibt, geht auf ein Urteil des deutschen Bundesgerichtshofs zurück (13. September 2012, Az. I ZR 230/11). Das Gericht hielt die Bezeichnung für zulässig, wenn sich ein Wasser von gewöhnlichen Mineralwässern abhebt, weil es besonders wenig Rückstände und Schadstoffe enthält. Wer «Bio-Mineralwasser» liest, so das Gericht, erwartet ein unbehandeltes Wasser ohne Zusatzstoffe, das bei Rückständen und Schadstoffen deutlich unter den Höchstwerten für natürliches Mineralwasser liegt.

Seither vergeben in Deutschland zwei private Stellen entsprechende Siegel:

  • Die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V., gegründet 2008 und unterstützt von Bio-Anbauverbänden wie Bioland, Demeter und Naturland.
  • Das SGS Institut Fresenius mit dem Siegel «Premiummineralwasser in Bio-Qualität».

Beide Stellen setzen eigene, strengere Grenzwerte an, etwa für Nitrat oder für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, und prüfen zusätzlich, wie nachhaltig der Abfüller arbeitet. Welches der beiden Siegel die Anforderungen des Bundesgerichtshofs erfüllt, war zwischen den Anbietern jahrelang Gegenstand von Gerichtsverfahren. Für Konsumentinnen und Konsumenten zählt vor allem eines: Beide Siegel sind privatrechtliche Gütezeichen, kein staatliches Bio-Logo. Kontrolliert wird nach den Kriterien der jeweiligen Stelle, nicht nach einer Bio-Verordnung.

Wie es die Schweiz und Österreich halten

Das Urteil des Bundesgerichtshofs gilt in Deutschland. Österreich hat die Frage anders beantwortet: Seit 2019 hält das Österreichische Lebensmittelbuch fest, dass Mineralwässer die Bezeichnung «bio» nicht tragen dürfen. In der Schweiz gilt die Bio-Verordnung für Erzeugnisse aus der Landwirtschaft, und Mineralwasser gehört nicht dazu. Ein staatliches Bio-Zeichen für Mineralwasser gibt es auch hier nicht.

Wer in der Schweiz eine Flasche mit der Aufschrift «Bio-Mineralwasser» sieht, achtet deshalb am besten auf das Siegel. Es verrät, wer nach welchen Kriterien geprüft hat. Das Wort «bio» allein sagt bei Wasser wenig aus.

Was jedes natürliche Mineralwasser erfüllen muss

Unabhängig von jedem Siegel ist natürliches Mineralwasser die am strengsten geregelte Wasserkategorie. Es muss aus einem unterirdischen, vor Verunreinigung geschützten Vorkommen stammen und von ursprünglicher Reinheit sein. Desinfizieren ist verboten; erlaubt sind nur wenige, eng begrenzte Verfahren, etwa das Entziehen von Eisen oder das Zusetzen von Kohlensäure. Abgefüllt wird direkt am Quellort, und die Mineralisierung muss konstant bleiben. Die Einzelheiten stehen im Beitrag über Quellwasser und Mineralwasser.

Eine Garantie, dass keine Spuren menschlicher Tätigkeit in ein Vorkommen gelangen, sind diese Regeln allerdings nicht. Ein Test des Westschweizer Fernsehens RTS fand 2024 in vier von zehn Mineralwässern unerwünschte Stoffe, darunter Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Wie gut eine Quelle geschützt ist, hängt von der Geologie, vom Einzugsgebiet und von der Zeit ab, die das Wasser im Untergrund verbringt. Zeigen kann es am Ende nur die Analyse.

Lärchenzweig mit herbstlich gelben Nadeln vor Felswänden im Gebirge
Bild: Freepik

Worauf Sie beim Einkauf achten können

Ob mit oder ohne Siegel: Einige Angaben auf dem Etikett sagen mehr über ein Wasser als das Wort «bio».

  • Die Bezeichnung: «Natürliches Mineralwasser» ist rechtlich geschützt und an die oben genannten Bedingungen geknüpft. Dazu gehören auf dem Etikett der Name der Quelle und der Ort der Abfüllung.
  • Die Analyse: Natürliches Mineralwasser trägt eine Tabelle mit seinen charakteristischen Mineralwerten. Sie zeigt, was ein Wasser ausmacht, und macht Wässer untereinander vergleichbar.
  • Behandlungshinweise: Angaben wie «mit Kohlensäure versetzt» oder «enteisent» zeigen, welche der wenigen erlaubten Verfahren angewendet wurden.
  • Das Siegel: Ein Bio-Mineralwasser-Siegel nennt die Stelle, die geprüft hat. Was das Siegel bedeutet, entscheiden deren Kriterien.
  • Die Verpackung: Ob Mehrweg-Glas oder Einweg, bestimmt die Umweltbilanz einer Flasche mit, unabhängig vom Inhalt.

Ist Piz Sardona bio?

Nicht im Sinn eines Siegels. Ein staatliches Bio-Siegel gibt es für Mineralwasser nicht. Was sich belegen lässt, ist etwas anderes: Piz Sardona ist ein natürliches Mineralwasser aus der Castelsquelle in Mels. Das Wasser versickert in einem Gebiet über 2'000 m ü. M., beim UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona, und ist danach rund zwölf Jahre durch Gesteins- und Felsschichten unterwegs, bevor es an der Quelle abgefüllt wird. Wo dieser Weg beginnt, zeigt die Seite zum Ursprung.

Nahaufnahme einer beschlagenen Piz-Sardona-Glasflasche mit Wassertropfen, Wappen und Schriftzug

Die stille Sorte kommt ohne zugesetzte Kohlensäure in die Flasche; den prickelnden Sorten wird Kohlensäure zugesetzt, eines der wenigen erlaubten Verfahren. Auf PFAS hat die Mineralquellen Mels AG ihr Wasser vom unabhängigen Labor SGS Institut Fresenius in Deutschland untersuchen lassen, und es konnten keine Spuren nachgewiesen werden. Was ein solcher Befund bedeutet, erklärt der Beitrag über PFAS im Wasser. Die Analyse der Castelsquelle finden Sie auf der Seite unser Wasser.

Häufige Fragen

Gibt es Bio-Mineralwasser?

Ja und nein. Ein staatliches Bio-Siegel für Mineralwasser gibt es weder in der Schweiz noch in der EU, weil die Bio-Verordnungen nur für Erzeugnisse aus der Landwirtschaft gelten. In Deutschland dürfen Mineralwässer seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2012 trotzdem «Bio-Mineralwasser» heissen, wenn sie bei Rückständen und Schadstoffen deutlich unter den gesetzlichen Höchstwerten liegen. Geprüft wird das von privaten Stellen, nicht nach einer Bio-Verordnung.

Was ist der Unterschied zwischen Bio-Mineralwasser und normalem Mineralwasser?

Beide sind natürliche Mineralwässer und erfüllen dieselben gesetzlichen Anforderungen: geschütztes unterirdisches Vorkommen, ursprüngliche Reinheit, keine Desinfektion, Abfüllung am Quellort. Ein Bio-Mineralwasser hat sich zusätzlich von einer privaten Stelle prüfen lassen, die strengere Grenzwerte ansetzt, etwa für Nitrat oder Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, und die Nachhaltigkeit des Abfüllers bewertet. Ein Mineralwasser ohne Siegel kann solche Werte ebenfalls einhalten; es hat sich nur nicht zertifizieren lassen.

Ist Piz Sardona Mineralwasser bio?

Piz Sardona ist ein natürliches Mineralwasser aus der Castelsquelle in Mels: Das Wasser versickert über 2'000 m ü. M. beim UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona und ist rund zwölf Jahre durch das Gestein unterwegs. Nach Angaben der Mineralquellen Mels AG hat das unabhängige Labor SGS Institut Fresenius in Deutschland schriftlich bestätigt, dass keine Spuren von PFAS nachgewiesen werden konnten. Die Zusammensetzung zeigt die Analyse auf der Seite «unser Wasser».

Warum gilt die Bio-Verordnung nicht für Mineralwasser?

Weil sie für die Landwirtschaft gemacht ist. Die Bio-Verordnung regelt, wie Pflanzen angebaut, Tiere gehalten und landwirtschaftliche Erzeugnisse verarbeitet werden. Mineralwasser wird weder angebaut noch geerntet, sondern an einer Quelle gefasst; die Kriterien des Biolandbaus lassen sich darauf nicht anwenden. Das gilt für die Schweizer Bio-Verordnung ebenso wie für die EU-Öko-Verordnung und ihr Bio-Logo.

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Piz Sardona

Basisches Mineralwasser mit pH 8,0 aus der Castelsquelle in Mels — zwölf Jahre durch das Gestein der Sardona-Alpen gefiltert.

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