Pestizide im Schweizer Grundwasser: Wenn einzelne Mineralwasserquellen im Flachland mit den Spuren jahrzehntelanger Landwirtschaft kämpfen, lohnt sich ein Blick auf die Landkarte. Warum das Versickerungsgebiet entscheidet – und warum bei einem natürlichen Mineralwasser kein Filter die Herkunft ersetzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Wasser von Piz Sardona sind keine Pestizide nachweisbar, wie es die ursprüngliche Reinheit jedes natürlichen Mineralwassers verlangt. Den Laborbericht gibt es auf Anfrage.
- Ob ein Mineralwasser Pestizide enthält, entscheidet das Versickerungsgebiet. Kein Filter kann die Herkunft nachträglich ändern.
- Wir schreiben bewusst «nicht nachweisbar» und nicht «pestizidfrei»: Eine Analyse findet nur, wonach sie sucht.
In den letzten Monaten ist viel über Pestizidrückstände in Schweizer Mineralwasserquellen berichtet worden. Wir von der Mineralquellen Mels AG schreiben diesen Beitrag, weil in der Diskussion über «saubere Alternativen» etwas Grundsätzliches untergeht. Ob ein Mineralwasser Pestizide enthält, hängt nicht in erster Linie davon ab, wie tief die Quelle liegt oder wie alt das Wasser ist. Es hängt davon ab, was auf dem Boden passiert, durch den das Regenwasser versickert. Wo Äcker, Gemüse- und Obstkulturen und Reben sind, werden Pflanzenschutzmittel ausgebracht; auf diese Kulturen entfällt der grösste Teil der eingesetzten Menge (Agroscope). Wo es sie nicht gibt, fällt der wichtigste Eintrag weg.
Das Wasser von Piz Sardona versickert in den Hochalpen über 2'000 m ü. M., beim UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona. Im Versickerungsgebiet gibt es keine Äcker, keine Gemüse- und Obstkulturen und keine Reben. Das ist der ganze Unterschied.

Was die Debatte der letzten Jahre zeigt
Die Berichterstattung über Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Schweizer Wasser hat die Branche aufgerüttelt. Medienberichte und Untersuchungen von Kantonschemikern machten deutlich, dass auch Quellen in intensiv genutzten Regionen nicht automatisch vor Einflüssen von der Oberfläche geschützt sind. Weil ein natürliches Mineralwasser nicht von Rückständen befreit werden darf, stossen Quellen in solchen Regionen an natürliche Grenzen.
Chlorothalonil ist ein Pilzvernichtungsmittel, das in der Schweiz seit den Siebzigerjahren grossflächig eingesetzt wurde, unter anderem im Getreide-, Kartoffel-, Gemüse- und Rebbau. Seit dem 1. Januar 2020 darf es nicht mehr angewendet werden (Eawag). Seine Abbauprodukte sind langlebig und sickern über Jahre ins Grundwasser nach. Das Verbot gilt auf dem Feld sofort, im Grundwasser gehen die Werte nur langsam zurück: Zwischen 2020 und 2025 sank der Anteil der Messstellen mit mehr als 0,1 Mikrogramm pro Liter von rund einem Drittel auf knapp ein Viertel (BAFU).
Chlorothalonil-Abbauprodukt R471811 im Grundwasser
Anteil der untersuchten NAQUA-Messstellen mit mehr als 0,1 µg/l, in Prozent
Gezeigt ist Grundwasser aus dem ganzen Land, weder abgefülltes Mineralwasser noch eine Messung von Piz Sardona. Jede Messstelle zählt mit ihrem höchsten Wert des Jahres; landesweit gemessen wird R471811 seit 2020.
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Die hydrogeologische Realität zeigt: Liegt das Einzugsgebiet einer Quelle in einer intensiv genutzten landwirtschaftlichen Zone, bestimmt diese Nutzung mit, was im Wasser ankommt. Schadstoffe, die vor Jahrzehnten im Boden versickert sind, wandern langsam durch die Schichten. Für Quellbetreiber in solchen Regionen ist das eine enorme Herausforderung, denn die Lage eines Einzugsgebiets lässt sich im Nachhinein nicht verändern.
Woher die Pestizide kommen: Das Versickerungsgebiet entscheidet
Mineralwasser beginnt als Regen. Der Regen fällt auf eine Fläche – das Einzugs- oder Versickerungsgebiet –, sickert durch Boden und Gestein und tritt Jahre später als Quelle wieder aus. Was auf dieser Fläche ausgebracht wird, kann das Wasser auf dem Weg nach unten mitnehmen: Nitrat aus Gülle, Herbizide aus dem Maisfeld, Fungizide aus dem Rebberg.
Was oberhalb einer Quelle geschieht
Einzugsgebiet mit Ackerbau
- Felder, Gemüse, Obst oder Reben
- Pflanzenschutzmittel und Dünger auf der Fläche
- Abbauprodukte und Nitrat können mit dem Regen ins Grundwasser sickern
Versickerungsgebiet im Hochgebirge
- Fels, Geröll und Alpweiden
- Keine Äcker, keine Gemüse- und Obstkulturen, keine Reben
- Das Wasser sickert durch Gesteinsschichten in die Tiefe
Was im Einzugsgebiet ausgebracht wird, bestimmt mit, was im Grundwasser ankommen kann. Zeigen kann es am Ende die Analyse.
Deshalb ist die Lage des Versickerungsgebiets entscheidender als jede Zahl auf dem Etikett:
- Mittelland: Der Ackerbau konzentriert sich in der Schweiz auf tiefe Lagen, 2024 lagen 95 Prozent der offenen Ackerfläche in der Tal- und der Hügelzone (Agristat). Im landwirtschaftlich intensiv genutzten Mittelland sind auch die Abbauprodukte von Chlorothalonil im Grundwasser am weitesten verbreitet (BAFU). Der K-Tipp fand Anfang 2020 im Leitungswasser von 13 von 30 Haushalten aus der Deutschschweiz Abbauprodukte von Chlorothalonil (K-Tipp).
- Tiefe schützt nur bedingt: Eine tiefe Fassung oder ein langer Weg durch das Gestein verzögern das Problem, sie beseitigen es nicht. Was oben versickert, kommt unten an – nur später. Ein Wasser, in dem heute nichts nachweisbar ist, kann in zehn Jahren die Rückstände von heute enthalten, wenn in seinem Einzugsgebiet Äcker, Gemüse- und Obstkulturen oder Reben liegen.
- Hochalpen oberhalb der Waldgrenze: Hier gibt es keine Äcker, keine Gemüse- und Obstkulturen und keine Reben, sondern Alpweiden, Geröll und Fels. Grundwasser mit höher gelegenem Einzugsgebiet ohne Ackerbau ist laut der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs, mit den Abbauprodukten von Chlorothalonil vermutlich nicht oder nur geringfügig belastet (Eawag). In einer Auswertung der nationalen Grundwasserbeobachtung fanden sich an Messstellen in den Alpen und Voralpen, deren Umgebung aus Sömmerungsweiden und unproduktivem Gelände besteht, fast keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (BAFU). Das ist keine Marketingaussage, sondern Hydrogeologie.
Wo in der Schweiz Ackerbau betrieben wird
Verteilung der offenen Ackerfläche 2024 (275’535 ha) auf die landwirtschaftlichen Zonen, in Prozent
Tal- und Hügelzone zusammen: 95 Prozent. Die Zonen stammen aus dem landwirtschaftlichen Produktionskataster und richten sich nach den Erschwernissen für die Bewirtschaftung, nicht allein nach der Höhe. Die Sömmerungsflächen mit den Alpweiden gehören nicht zur landwirtschaftlichen Nutzfläche und sind in diesen Zonen nicht enthalten.
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Warum wir nicht «pestizidfrei» schreiben
Seit den Berichten über belastete Quellen fragen sich viele, ob ihr Mineralwasser «pestizidfrei» ist. Wir schreiben bewusst «nicht nachweisbar». Drei Dinge sollten Sie dazu wissen:
- Ein negativer Test ist eine Momentaufnahme. Er sagt, was heute in der Flasche ist. Er sagt nichts darüber, was im Einzugsgebiet versickert und erst in Jahren ankommt. Das gilt besonders für Quellen, deren Einzugsgebiet an Ackerland grenzt.
- «Pestizidfrei» heisst nicht schadstofffrei. Bei einem Test von RTS und SRF «Kassensturz» mit zehn Mineralwässern fanden zwei Labors 2024 in vier Produkten Spuren unerwünschter Stoffe: in einem Abbauprodukte von Pestiziden, in den anderen Mikroplastik oder den PFAS-Stoff PFBA. Als akut gefährlich stufte das Labor keinen der Werte ein (SRF). Wer nur auf Chlorothalonil testet, sieht nur Chlorothalonil.
- Der Unterschied zwischen Richtwert und ursprünglicher Reinheit: Für Pestizide im Mineralwasser gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert. Als Indiz für die Reinheit nennt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) einen Richtwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe der Pestizide. Das Gesetz verlangt aber mehr: Ein natürliches Mineralwasser muss ursprünglich rein sein. Spurenstoffe menschlichen Ursprungs wie Pestizide und ihre Abbauprodukte dürfen darin gar nicht vorkommen, und herausfiltern darf man sie auch nicht (BLV). Das ist die Pflicht jedes Abfüllers. Für uns beginnt diese Reinheit beim Versickerungsgebiet.
Ein Labor kann zeigen, dass die gesuchten Stoffe unter der Nachweisgrenze seines Verfahrens liegen. Dass ein Stoff in keiner Menge vorhanden ist, kann keine Analyse beweisen. Wir bleiben deshalb bei dem, was wir belegen können: nicht nachweisbar, gestützt auf einen Laborbericht, der Labor, Datum, Prüfumfang und Nachweisgrenze nennt. Diese vier Angaben machen einen Befund vergleichbar, und nach ihnen lässt sich bei jedem Mineralwasser fragen. Was «nicht nachweisbar» genau bedeutet, erklärt der Beitrag über PFAS im Wasser.
Was die Nachweisgrenze bedeutet
- unter der Nachweisgrenze: nicht nachweisbar
- über der Nachweisgrenze: nachweisbar
Empfindliches Verfahren
Unter der Linie lautet der Befund «nicht nachweisbar» — eine Aussage über die Messung, nicht über die Abwesenheit eines Stoffs. Bei null liegt die Nachweisgrenze nie.
Regler verschieben oder Pfeiltasten benutzen
Wir finden: Wer mit Reinheit wirbt, soll zeigen, wo sein Wasser versickert – und den Laborbericht dazu vorlegen können. Beides tun wir.
Was für Piz Sardona gilt
Der Grund, warum bei Piz Sardona keine Pestizide nachweisbar sind, ist so einfach, dass er fast banal klingt: Im Versickerungsgebiet gibt es keine Äcker, keine Gemüse- und Obstkulturen und keine Reben.
Regen und Schneeschmelze versickern in den Sardona-Alpen über 2'000 m ü. M., beim UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona, in hochalpinem Gelände weit oberhalb der Ackerbaugebiete. Danach ist das Wasser rund zwölf Jahre durch Gesteins- und Felsschichten unterwegs, bis es in Mels aus der Castelsquelle gefasst wird. Den ganzen Weg zeigt die Seite Ursprung.
Der Weg des Wassers
Niederschlag versickert
über 2’000 m ü. M.
Filterung im Gestein
rund 12 Jahre
Castelsquelle, Mels
pH 8,0
Bei Piz Sardona lautet der Befund: nicht nachweisbar. Den vollständigen Laborbericht, der Labor, Datum, Prüfumfang und Nachweisgrenze nennt, schicken wir auf Anfrage gerne zu; eine Nachricht über das Kontaktformular genügt.
Für ein natürliches Mineralwasser ist dieser Befund keine Auszeichnung, sondern die Anforderung an die ganze Kategorie. Was Piz Sardona unterscheidet, ist die Ursache: Bei einem Wasser, in dessen Versickerungsgebiet es keine Äcker, keine Gemüse- und Obstkulturen und keine Reben gibt, hat «nicht nachweisbar» seinen Grund in der Herkunft.
Dazu kommt, was Piz Sardona ohnehin auszeichnet: ein natürlich basischer pH-Wert von 8,0 und eine ausgewogene Mineralisierung aus dem Alpengestein. Abgefüllt wird es, wie jedes natürliche Mineralwasser, direkt an der Quelle, in Mels SG. Mehr dazu unter Piz Sardona: der Berg hinter dem Wasser.
Was wir nicht versprechen
Auch das Hochgebirge ist nicht unberührt. Auf Alpweiden weidet im Sommer Vieh, und gegen einzelne Problempflanzen sind dort gezielte Behandlungen erlaubt (Direktzahlungsverordnung). Jede Analyse ist zudem eine Momentaufnahme. Wir versprechen deshalb nicht, dass sich nie etwas finden lässt. Wir versprechen, das Wasser weiter untersuchen zu lassen und den aktuellen Laborbericht auf Anfrage zuzuschicken.
Fazit: Fragen Sie nicht nach dem Filter. Fragen Sie nach dem Feld.
Die Qualität beginnt am Ursprung. Die Diskussionen der letzten Jahre zeigen, dass die Lage des Einzugsgebiets der entscheidende Faktor dafür ist, wie rein ein Wasser auf lange Sicht bleibt. Keine Filtertechnik kann die Herkunft eines Wassers nachträglich verändern, und Rückstände herauszufiltern ist bei einem natürlichen Mineralwasser ohnehin nicht erlaubt. Wer auf lange Sicht ein möglichst unberührtes Naturprodukt sucht, muss den Blick deshalb weg von den Regalen und hin zum Ursprung der Quellen richten.

Wenn Sie Ihr Mineralwasser wechseln, stellen Sie eine einzige Frage: Wo versickert dieses Wasser? Lautet die Antwort «in den Hochalpen, über 2'000 Metern, ohne Äcker, Gemüse- und Obstkulturen und ohne Reben», spricht die Herkunft für sich. Bei Piz Sardona bekommen Sie den Laborbericht trotzdem auf Anfrage dazu.
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Häufige Fragen
Ist Piz Sardona pestizidfrei?
Im Wasser von Piz Sardona sind keine Pestizide nachweisbar. Wir schreiben bewusst «nicht nachweisbar» und nicht «pestizidfrei»: Eine Analyse kann zeigen, dass die gesuchten Stoffe unter der Nachweisgrenze liegen, aber nicht, dass sie in keiner Menge vorhanden sind. Den Laborbericht schicken wir auf Anfrage gerne zu.
Warum sind in Piz Sardona keine Pestizide nachweisbar?
Wegen seines Ursprungs. Das Wasser versickert in den Sardona-Alpen über 2'000 m ü. M., in einem Gebiet ohne Äcker, Gemüse- und Obstkulturen und ohne Reben, und ist danach rund zwölf Jahre durch das Gestein unterwegs, bis es in Mels aus der Castelsquelle gefasst wird. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln finden sich vor allem in Grundwasser aus Ackerbaugebieten. In einem natürlichen Mineralwasser dürfen Spurenstoffe menschlichen Ursprungs wie Pestizide ohnehin nicht vorkommen; was Piz Sardona dafür mitbringt, ist sein Ursprung.
Kann man den Laborbericht anfordern?
Ja. Den vollständigen Bericht schicken wir auf Anfrage gerne zu; eine Nachricht über das Kontaktformular genügt. Er nennt Labor, Datum, Prüfumfang und Nachweisgrenze.
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